Jugend macht Politik. Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe: Die AWO Freiwilligenakademie initiierte 2022 einen Politik-Dialog sowie ein Modellprojekt zur Demokratieförderung ab 2023.

Menschen sitzen in einem Stuhlkreis in einem Raum, während eine Person vorne steht und spricht, mit mehreren Whiteboards und Plakaten im Hintergrund.
© AWO Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe e.V.

Foto: Im April 2022 diskutierten Jugendliche unter dem Motto „Ich pack‘ das mit dir, Politik!?“ mit lokalen Politiker*innen.

 

Empowerment junger Menschen

Die AWO Freiwilligenakademie OWL setzt sich seit jeher für die Rechte von Kindern und den Abbau von sozialer Benachteiligung ein. Zuletzt im Rahmen eines durchgeführten Modellprojektes „Ich pack’ das!“ mit dem Empowerment-Ansatz, dass Freiwillige aktiv junge Menschen dazu befähigen, ihre eigenen Kompetenzen und Stärken zu nutzen, um besondere Lebenssituationen zu bewältigen, einen selbstbestimmten Alltag zu gestalten und Erfahrungen von Selbstwert und Selbstwirksamkeit (wieder-)herzustellen.

Doch dann kam Corona. Die Politik hat die Bedürfnisse von jungen Menschen während der Pandemie weitestgehend ignoriert und es ist deutlich geworden, dass Corona keine neuen Probleme für Kinder und Jugendliche erzeugt, sondern die bereits bestehenden verschärft hat; Chancenungleichheit und Nöte der jungen Menschen sind sichtbarer. Die Ohnmachtserfahrungen und die Verschärfung durch Corona gehen nicht spurlos an den jungen Menschen vorbei. Immer das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass ein Individuum in der Gesellschaft nicht zählt, Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden und keine Lobby für sie vorhanden ist, führen dazu, dass gesellschaftliche und politische Strukturen in Frage gestellt werden und am Ende das Konstrukt von Demokratie. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf!

Selbstwirksamkeit durch direkten Dialog

Die AWO Freiwilligenakademie OWL hat sich Anfang 2022 dieser Aufgabe gestellt und Solidarität mit den Kindern und Jugendlichen gezeigt. Bei der politischen Veranstaltung „Ich pack’ das mit Dir, Politik?!“ wurde es ihnen ermöglicht, lokalen Politiker*innen und Menschen aus der Stadtverwaltung und dem Bildungssystem ihre Meinung zu sagen. Ganz im Sinne des Empowerment-Ansatzes konnten die jungen Menschen in den direkten Dialog mit den Entscheidungsträger*innen gehen. Mehr Selbstwirksamkeit geht an der Stelle nicht.

Die Veranstaltung wurde ein großer Erfolg. Eine zentrale Forderung wurde sehr deutlich:

  • mehr Beteiligung der Jugend bei Entscheidungen, die sie direkt betreffen

Modellprojekt ab 2023

Genau hier setzt das neue Modellprojekt an. 2023 startet die AWO Freiwilligenakademie OWL mit dem Thema Demokratieförderung. Das dreijährige Modellprojekt „Jetzt sind wir dran! Jugend macht Politik – Konzept zur Mitwirkung in Prozessen demokratischer Strukturen“, gefördert durch die Aktion Mensch, verfolgt die Idee, junge Menschen aus benachteiligten Bielefelder Stadtteilen in politischen Themen fit zu machen und an politische Teilhabe heranzuführen.

Es richtet sich an junge Menschen der Sekundarstufe I bis zum 21. Lebensjahr. Durch die Mitwirkung von Hauptamtlichen aus Kinder-und Jugendeinrichtungen und Freiwilligen werden stadtteilbezogene Projektgruppen gebildet, die sich nach einer Kennenlernzeit auf die Reise der politischen Bildung begeben. Durch spielerische Lernmethoden werden junge Menschen altersgerecht an politische Themen herangeführt.

  • Was ist eine Diskussion?
  • Was ist Demokratie?
  • Wie kann ich eine Meinung vertreten?
  • Welche Rechte habe ich?
  • Was kann ich tun, um in meinem Stadtteil eine Veränderung herbeizuführen?

Die Inhalte der Angebote in den Stadtteilen führen dazu, dass junge Menschen Zusammenhänge zwischen Politik und ihrer Lebensrealität nähergebracht werden und sie sich aktiv mit einbringen können.

Im Austausch mit bestehenden lokalen Akteur*innen wie dem Jugendparlament, der Bezirksschüler*innen-Vertretung sowie dem Jugendhilfeausschuss soll das Projekt maßgeblich dazu beitragen, Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Stadtteilen zu erreichen, ihr Interesse für Politik zu wecken und sie zu aktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu machen, die sich demokratiefeindlichen Weltbildern entschieden entgegenstellen können und sich für ein solidarisches Miteinander einsetzen.