Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe
Auf Grundlage der Empfehlungen des 17. Kinder- und Jugendberichts setzte sich die AWO gemeinsam mit Fachleuten aus Politik und Wissenschaft intensiv mit den Perspektiven junger Menschen sowie mit notwendigen Schritten für eine verlässliche und krisenfeste Angebotsstruktur auseinander.
Im Fokus der Fachveranstaltung „Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe“ standen die Bedarfe und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere angesichts multipler Krisen sind Politik und Gesellschaft sowie speziell die Kinder- und Jugendhilfe gefragt, jungen Menschen vertrauenswürdige Rahmenbedingungen mit starken und resilienten Angeboten und Leistungen zu bieten.
Eine Standortbestimmung als Basis für gemeinsames zukunftsorientiertes Gestalten
Über 50 Fachpersonen aus unterschiedlichen und Bundesländern diskutierten intensiv über Fragen wie: Auf welche Entwicklungen und gesellschaftlichen Trends müssen wir uns vorbereiten? Was können wir als Jugendhilfeträger tun, um unsere Angebote krisenfest und verlässlich zu gestalten? Und vor allem: Welche Perspektiven haben junge Menschen und wie können wir als Träger darauf reagieren? Ausgangspunkt der Debatte war der 17. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung. Die Kernbotschaft dieses Berichts lautet „Zuversicht braucht Vertrauen“. Dadurch lässt sich für die Kinder- und Jugendhilfe ein direkter Appell ableiten. Damit die Kinder- und Jugendhilfe auch in Zukunft krisenfest und vertrauenswürdig bleibt, braucht es:
- Echte und wirksame Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
- Haltung zeigen
- Ressourcen bereitstellen für eine verlässliche Infrastruktur für junge Menschen
- Demokratie stärken, Rechtsruck entgegenwirken
Trends und Entwicklungen
Nicht nur die Geburtenraten und die demografischen Entwicklungen in Deutschland haben – wie Dr. Christiane Meiner-Teubner (TU Dortmund/DJI) in ihrer Keynote verdeutlichte – Konsequenzen für die Angebotsstruktur der Kinder- und Jugendhilfe. Diverse Einflussfaktoren wirken sich auf die Zukunft der Kinder und Jugendlichen aus. Die Gleichzeitigkeit technischer, politischer, sozialer und ökologischer Veränderungen erzeugt Druck und beschleunigt die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe. Zwar ist die Kinder- und Jugendhilfe für alle jungen Menschen zuständig, nicht aber für alle Probleme.
Generation Gerechtigkeit – Finanzpolitik neu denken
Umgekehrt werden sich die Bedarfe in der Kinder- und Jugendhilfe erhöhen, wenn Investitionen in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen unterbleiben und Sozialleistungen von der Politik als überflüssig dargestellt werden. Die Teilnehmenden beleuchteten Jugend- und Trägerperspektiven im Kontext der aktuellen politischen Entwicklung. Die Debatte mit dem Bundestagstagsabgeordneten Truels Reichardt (SPD), der Geschäftsführerin des AWO-Bundesjugendwerks Sarina Brauer sowie dem Vorstandsvorsitzenden des AWO-Bezirksverbands Braunschweig Rifat Fersahoglu-Weber betonte, dass finanzpolitische Prioritätensetzungen nicht zu Lasten der Zukunft von Kindern und Jugendlichen durchgeführt werden dürfen.

Illustration: © Anna Lena Wollny
Mit Haltung und Beteiligung zu einer zukunftssicheren und krisenfesten Kinder- und Jugendhilfe
Die AWO ist und bleibt Lobby für die Kinder- und Jugendperspektiven und setzt sich für eine verlässliche, vertrauenswürdige und krisenfeste Kinder- und Jugendhilfe ein, im Einzelnen:
- Qualitätsstandards in Bildungskontexten: Die Qualität von Kitas, Horten oder anderen Angeboten für Grundschulkinder darf nicht von der Postleitzahl abhängen.
- Strukturelle Förderung: Die Kinder- und Jugendarbeit muss als niedrigschwellige Anlaufstelle für junge Menschen erhalten bleiben.
- Beteiligung: Junge Menschen müssen an der Entwicklung der Grundlagen der künftigen Kinder- und Jugendpolitik beteiligt werden.
- Anerkennung der Angebote: Die vielfältigen Angebote der Jugendsozialarbeit müssen als regelhafte Aufgabe der kommunalen Jugendhilfeplanung berücksichtigt werden.
- Bedarfe erfassen: Bedarfe, Wünsche und Ungleichheitserfahrungen junger Menschen müssen erfasst und bei der Entwicklung von Maßnahmen berücksichtigt werden.
- Familien mitdenken: Universalpräventive Leistungen für Familien sind in bedarfsgerechtem Umfang vorzuhalten und verlässlich zu finanzieren.
- Inklusive Kinder- und Jugendhilfe: Die inklusive Kinder- und Jugendhilfe muss zügig umgesetzt werden.
- Diversitätsgerechte Strukturen: Anerkennung der Vielfalt muss als verbindlicher Bestandteil der Praxis in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gesehen werden.
- Engagement anerkennen: Freiwilliges Engagement muss für alle ermöglicht und gewürdigt werden.
- Kinderschutz: In allen Aufgabenfeldern und bei allen Leistungen muss der Schutz der Kinder- und Jugendlichen gewährleistet sein.
Politische Forderungen der AWO
- Investitionen in die soziale Infrastruktur, in hochwertige Betreuungs- und Bildungsangebote, Jugendsozialarbeit und Familienbildung
- Sicherstellung der strukturellen, personellen und finanziellen Sicherheit in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe
- Gerechte Verteilung von Lebens- und Bildungschancen, Ressourcen und Beteiligungschancen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien als Leitperspektive politischen Handelns
- Unterstützung der Kommunen, eine auskömmliche Refinanzierung der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen und Einrichtungen bedarfsgerecht auszustatten sowie ihre Zugänglichkeit zu sichern