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08.05.2022

Jugendaustausch digital

Vier Personen sitzen auf einer Bank im Freien und nutzen Laptops und Tablets. Über dem Bild sind Symbole für globale Vernetzung, Computer und WLAN eingeblendet, die auf digitale Kommunikation hinweisen.

Digitale und hybride Jugendbegegnungen eröffnen neue Möglichkeiten für die Internationale Jugendarbeit. Sie ermöglichen jungen Menschen, sich unabhängig von Entfernungen kennenzulernen, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten und internationale Freundschaften aufzubauen. Gleichzeitig bieten sie die Chance, auch Jugendliche einzubeziehen, denen eine Reise ins Ausland aus finanziellen, gesundheitlichen oder organisatorischen Gründen nicht möglich ist.

Digitale Formate stellen Teams zwar vor besondere pädagogische, sprachliche und technische Herausforderungen. Mit einer guten Vorbereitung, geeigneten Methoden und einer aktiven Beteiligung der Teilnehmenden lassen sich jedoch lebendige, interaktive und interkulturelle Begegnungen gestalten.

Wann eignet sich ein digitaler oder hybrider Jugendaustausch?

Digitale Formate können in unterschiedlichen Phasen eines internationalen Projekts sinnvoll eingesetzt werden. Sie eignen sich beispielsweise

  • zum ersten Kennenlernen der Gruppen,
  • zur gemeinsamen Vorbereitung einer Präsenzbegegnung,
  • für thematische Workshops oder gemeinsame Projektarbeit,
  • zur Nachbereitung eines Austauschs sowie
  • als eigenständiges internationales Begegnungsformat.

Hybride Formate verbinden die Vorteile von Präsenztreffen mit den Möglichkeiten digitaler Zusammenarbeit und schaffen neue Formen internationaler Begegnung.

So gelingt digitaler Jugendaustausch

Digitale und hybride Jugendbegegnungen bieten vielfältige Möglichkeiten für interkulturelles Lernen und internationale Zusammenarbeit. Damit aus einem digitalen Treffen eine lebendige und bereichernde Begegnung wird, braucht es jedoch mehr als eine funktionierende Technik. Entscheidend ist eine pädagogisch durchdachte Gestaltung, die die Bedürfnisse und Interessen der Teilnehmenden in den Mittelpunkt stellt.

Erfolgsfaktoren

Eine offene Atmosphäre entsteht nicht von selbst. Interaktive Kennenlernspiele, Sprachanimation, Aktivitäten in Kleingruppen und nonverbale Methoden helfen dabei, Berührungsängste abzubauen und den Austausch von Anfang an zu fördern.

Gemeinsames Handeln verbindet stärker als lange Gesprächsrunden. Kreative oder praktische Aufgaben erleichtern insbesondere Teilnehmenden mit geringen Fremdsprachenkenntnissen den Kontakt.

Abwechslungsreiche Programme kombinieren gemeinsame Aktivitäten in der Videokonferenz mit Aufgaben, die die Teilnehmenden vor Ort erledigen und anschließend miteinander teilen.

Jugendliche sollten die Möglichkeit erhalten, Themen, Methoden und Ergebnisse aktiv mitzugestalten. Dies stärkt Motivation, Eigenverantwortung und den interkulturellen Austausch.

Wenige, leicht verständliche und möglichst bereits bekannte Anwendungen erleichtern die Zusammenarbeit. Entscheidend ist nicht die Anzahl der eingesetzten Tools, sondern ihr sinnvoller Einsatz.

Längere Bildschirmzeiten erfordern regelmäßige Pausen sowie abwechslungsreiche Methoden, die Bewegung und Entspannung ermöglichen.

Digitale Jugendbegegnungen profitieren von einem ausreichend großen Team mit klar definierten Rollen. Neben der pädagogischen Begleitung übernehmen die Teamenden häufig Moderation, Sprachmittlung, technische Unterstützung und die Betreuung des Chats.

Lost in translation?

Sprache spielt eine zentrale Rolle für das gegenseitige Kennenlernen und den interkulturellen Austausch. Gleichzeitig bringen internationale Jugendbegegnungen häufig unterschiedliche Sprachniveaus und Kommunikationsgewohnheiten zusammen, die im digitalen Raum zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen können. Sprachbarrieren müssen jedoch kein Hindernis für eine gelingende Begegnung sein. Mit einer bewussten Gestaltung der Kommunikation können alle Teilnehmenden aktiv am Austausch teilhaben und miteinander in Kontakt kommen.

Sprachbarrieren gemeinsam überwinden

Je nach Projekt können Beiträge abschnittsweise übersetzt oder mithilfe der Simultanübersetzung moderner Videokonferenzsysteme zeitgleich gedolmetscht werden (die Teilnehmenden wählen dazu den entsprechenden Sprachkanal aus). So können alle Teilnehmenden dem Programm folgen und sich aktiv beteiligen.

Bilder, Symbole, Piktogramme, Präsentationen, Chatnachrichten und vereinbarte Gesten unterstützen das Verständnis und erleichtern die Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg. Auch digitale Reaktionskarten oder Emojis können die Beteiligung fördern.

Sprachanimation ist kein Sprachunterricht. Sie unterstützt die Teilnehmenden dabei, erste Hemmschwellen abzubauen – zu Beginn auch non-verbal – und einfache Wörter oder Redewendungen spielerisch kennenzulernen. Sprachspiele zu Begrüßungen, Zahlen, Hobbys oder kleinen Alltagssituationen schaffen schnell gemeinsame Erfolgserlebnisse, verbinden und fördern den Mut, die Partnersprache auszuprobieren.

Übersetzungs-Apps, Online Wörterbücher, automatische Untertitel und integrierte Übersetzungsfunktionen von Browsern oder Videokonferenzsystemen können die Kommunikation zusätzlich unterstützen. Sie helfen insbesondere bei der Arbeit in Kleingruppen und fördern selbstständiges Handeln der Teilnehmenden.

Methoden für einen lebendigen digitalen Austausch

Digitale Jugendbegegnungen leben von abwechslungsreichen und interaktiven Methoden. Nicht jede Methode muss vollständig digital sein. Besonders motivierend sind Aufgaben, die Aktivitäten vor Ort mit dem gemeinsamen Austausch im digitalen Raum verbinden. Bewährt haben sich beispielsweise

  • Kennenlernspiele und Icebreaker,
  • digitale Sprachanimation,
  • Arbeit in Kleingruppen,
  • gemeinsame Whiteboards und Pinnwände,
  • Foto- und Videoprojekte,
  • digitale Stadtrallyes,
  • gemeinsames Kochen oder kreatives Arbeiten an verschiedenen Orten,
  • Quizformate und Umfragen sowie
  • gemeinsame Präsentationen der Ergebnisse.

Technische Vorbereitung

Eine gute technische Vorbereitung schafft Sicherheit und reduziert Stress während der Begegnung. Empfehlenswert sind

  • ein gemeinsamer Techniktest vor Projektbeginn,
  • funktionierende Kameras und Mikrofone,
  • eine stabile Internetverbindung,
  • klare Informationen für die Teilnehmenden zur Nutzung der eingesetzten Plattformen und Tools,
  • datenschutzgerechte digitale Anwendungen sowie
  • ein Notfallplan für technische Schwierigkeiten.

Unsere Erfahrungen

Die Empfehlungen beruhen auf den Erfahrungen des AWO Bundesverbandes und seiner französischen Partnerorganisation Fédération nationale des Francas. Seit 2019 entwickeln und erproben beide Organisationen gemeinsam digitale und hybride Formate der Internationalen Jugendarbeit.

Zu den wichtigsten Projekten gehören die deutsch französische Pilotfortbildung eYouth connect – Digitaler Jugendaustausch von der Idee zum Projekt, ein hybrides deutsch französisches Vernetzungstreffen sowie die Entwicklung animierter Video-Tutorials für Fachkräfte. Die Projekte wurden durch das Deutsch Französische Jugendwerk (DFJW) unterstützt und fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung digitaler Formate des Jugendaustauschs ein.

Kontakt

Sie haben Fragen? – Schreiben Sie uns! jugendaustausch@awo.org