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11.06.2026

Wie gelingt ein gutes Aufwachsen für Jugendliche mit Armutserfahrung?

Darüber sprach der AWO Bundesverband beim parlamentarischen Frühstück des Ratschlags Kinderarmut mit Daniela Rump, Truels Reichardt und weiteren Abgeordneten des Bundestags, mit Mitarbeitenden der Bundesministerien – und mit den wichtigsten Expert*innen: jungen Menschen mit eigener Armutserfahrung.

Die Jugendlichen – eine für den demokratischen Zusammenhalt zentrale „Schlüsselgeneration“ – stehen aktuell besonders unter Druck. Gründe dafür sind unter anderem die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie, politische Debatten über einen Pflichtdienst, der Einfluss sozialer Medien sowie Sicherheitsängste durch den Krieg in Europa. Gleichzeitig stellt soziale Ungleichheit ein grundlegendes Problem dar. Mehr als ein Fünftel der jungen Menschen erlebt über viele Jahre hinweg Armut und soziale Ausgrenzung. Das betrifft über drei Millionen Jugendliche.

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Existenzsicherung

Wer Armut wirksam bekämpfen will, muss sicherstellen, dass den Menschen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Dafür braucht es höhere Regelsätze in den Sozialleistungen. Kosten für grundlegende Dinge wie Smartphone, Computer, Fahrrad oder Sportausrüstung sind bislang kaum berücksichtigt. Eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist für viele Jugendliche daher nicht möglich. Wir als AWO fordern, das Existenzminimum so neu zu berechnen, dass auch größere Anschaffungen einbezogen werden. Zudem sollte für Kinder und Jugendliche von getrennt lebenden Eltern ein zusätzlicher Mehrbedarf für Umgangszeiten anerkannt werden.

Reform des Sozialstaats

Die Bundesregierung plant eine Reform des Sozialstaats – doch was bedeutet das für Jugendliche? Wir als AWO erwarten, dass Leistungen nicht gekürzt, sondern ausgebaut werden. Gleichzeitig muss es einfacher werden, Unterstützungsleistungen tatsächlich zu erhalten. Insbesondere das Bildungs- und Teilhabe-Paket sollte grundlegend reformiert werden. Auch benötigen junge Erwachsene mehr Unterstützung beim Start in eine Ausbildung. Die derzeit diskutierte Streichung des Unterhaltsvorschusses bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von Sozialleistungen lehnen wir ab.

Daseinsvorsorge

Kürzungen in vielen Bereichen schränken insbesondere Jugendliche mit Armutserfahrung in ihren Teilhabe-Möglichkeiten ein. Dabei brauchen wir das Gegenteil: Straßensozialarbeit muss ausgebaut, berufliche Bildung gestärkt und Schulsozialarbeit intensiviert werden. Zudem müssen Schulen besser ausgestattet und die digitale Infrastruktur verbessert werden. Nicht zuletzt braucht es eine verlässliche und bezahlbare Mobilität für alle.

  • Gemeinsam stark für bessere Lebensbedingungen und mehr Chancengleichheit

    Im „Ratschlag Kinderarmut“, einem Netzwerk aus über 50 Organisationen und Wissenschaftler*innen, kämpft der AWO Bundesverband gegen Kinderarmut. Ziel des Bündnisses ist es, die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern und gleiche Chancen für alle zu schaffen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dafür richtet sich das Netzwerk mit Appellen an die Politik und macht auf die Probleme von betroffenen Familien aufmerksam. Es fordert vor allem mehr Investitionen in Bildung, Betreuung und soziale Angebote sowie eine bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen, um Kinderarmut langfristig wirksam zu bekämpfen.

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