AWO-Neujahrsempfang 2026
Mit über 200 Gästen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft startete die AWO am 29. Januar in der Berliner Kulturbrauerei in ein sozialpolitisch wegweisendes Jahr. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Verleihung des Lotte-Lemke-Engagementpreises.
Prof. Dr. Reyhan Şahin – Wissenschaftlerin, Künstlerin, Buchautorin und vielen als Rapperin Lady Bitch Ray bekannt – sowie Bundesratspräsident und Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte spannten in ihren Beiträgen den Bogen von den historischen Wurzeln der AWO bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ihre Reden machten deutlich: Solidarität, Demokratie und soziale Gerechtigkeit bleiben zentrale Werte, die – gerade angesichts sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltung – aktiv weiterentwickelt werden müssen.
Die AWO: Gestern. Heute. Weiter.
Marie Juchacz als Vorbild
Die Vortragenden hoben ehrenamtliches Engagement als tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervor. In ihrer Keynote erinnerte Prof. Dr. Reyhan Şahin an Marie Juchacz, die mit Gründung der AWO den Grundstein für eine moderne, professionelle und solidarische Wohlfahrtsarbeit in Deutschland legte. Als erste Frau sprach Juchacz 1919 in der Weimarer Nationalversammlung und stärkte damit die politische Gleichberechtigung von Frauen. „Wir schneiden uns eine Scheibe von deiner Verantwortung ab und lassen dein Vermächtnis in unserer Welt nachwirken“, so Şahin.
Lotte-Lemke-Engagementpreis für innovatives, nachhaltiges und solidarisches Ehrenamt
Seit 2019 zeichnet die AWO mit dem Lotte-Lemke-Engagementpreis herausragende Ehrenamtsprojekte der AWO aus, die auf kreative und nachhaltige Weise einen Beitrag zum gelingenden Zusammenleben leisten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen beispielhaft, wie die AWO-Grundwerte Solidarität, Toleranz, Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit zeitgemäß gelebt werden können. Mit dem Preis möchte die AWO ehrenamtliches Engagement sichtbar machen, wertschätzen und andere dazu inspirieren, selbst aktiv zu werden. Der Preis des Wettbewerbs 2025/2026 wurde in drei Kategorien vergeben – ergänzt durch eine Sonderauszeichnung. Wir gratulieren allen Preisträger-Projekten und sagen von AWO-Herzen DANKE für das großartige Engagement.
Engagement fördert Innovation
In dieser Kategorie gewann das „Schülergericht Chemnitz“ des AWO‑Kreisverbands Chemnitz und Umgebung. Das freiwillige Angebot bringt ausgebildete Schülerrichter*innen und junge Beschuldigte zusammen, um über Fehlverhalten zu sprechen und pädagogische Maßnahmen zu finden – eine verantwortungsvolle Alternative zum formellen Jugendstrafverfahren, oft mit der Chance auf Einstellung des Verfahrens. Die Laudatio hielt Katharina Zejewski, Vorsitzende des Bundesjugendwerks.
Engagement wirkt nachhaltig
In dieser Kategorie gewann die „Kinderspielstadt Schängelheim“ des AWO-Kreisverbands Koblenz‑Stadt. Das Projekt erschafft jeden Sommer eine lebendige, von Kindern selbst gestaltete Stadt, in der sie Demokratie, Verantwortung und Gemeinschaft spielerisch erleben können – von Wahlen über Berufe bis hin zum eigenen Stadtsystem. Die Laudatio hielt Gerwin Stöcken, Mitglied des Bundespräsidiums.
Engagement gegen Einsamkeit und Armut
In dieser Kategorie gewann die „Mobile Plauderbank Nürnberg“ des AWO‑Kreisverbands Nürnberg. Das Projekt bringt eine transportable Bank in verschiedene Stadtteile und schafft so niedrigschwellige Orte für Begegnung, Gespräche und gegenseitigen Austausch – ein wirksamer Ansatz gegen Einsamkeit in der Stadtgesellschaft. Die Laudatio hielt Gabriele Siebert‑Paul, Vorsitzende des Bundespräsidiums.
Sonderauszeichnung
Zusätzlich geehrt wurde das Projekt „100 Boote – 100 Millionen Menschen“ des AWO‑Landesverbands Sachsen‑Anhalt. Das sozialkritische Kunstprojekt vereint Hunderte überdimensionale Papierboote, gestaltet von Freiwilligen in ganz Deutschland, und setzt ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen weltweit. Mit seinen Bo(o)tschaften ruft das Projekt zu Menschlichkeit, Verantwortung und einer menschenrechtsbasierten Flüchtlingspolitik auf. Die Laudatio hielt Wilhelm Schmidt, Ehrenvorsitzender des Bundesverbands.
Impressionen
Die Veranstaltung in der Kulturbrauerei – einem beeindruckenden Industriedenkmal mit markanter Architektur – bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in ungezwungener Atmosphäre auszutauschen und zu vernetzen. Es war ein großes AWO‑Familientreffen mit vielen inspirierenden Gästen und einer herzlichen Stimmung. Für die musikalische Begleitung sorgten Michael Pein (Gitarre, Gesang), Robert Nowacki (Akkordeon) und Lev Guzman (Viola). Als Trio Klangart begeisterten sie mit einem abwechslungsreichen Repertoire von Swing‑Jazz über Samba und Tango bis hin zu zeitlosen Evergreens.
Engagement bewegt – und hält die Gesellschaft zusammen
Ehrenamtliches Mitwirken trägt dazu bei, soziale Integration, Vielfalt und Teilhabe zu fördern. Es schafft Räume für Begegnung, eröffnet neue Perspektiven und wirkt Isolation in allen Altersgruppen entgegen. Bürgerschaftliches Engagement bereichert sowohl die Gesellschaft als auch jene, die sich einbringen – unabhängig vom Umfang des Einsatzes. Der Bundesverband setzt sich als Interessenvertretung aller AWO‑Verbände dafür ein, inklusives und selbstbestimmtes Engagement für alle Menschen zu ermöglichen. Gleichzeitig arbeitet er politisch daran, verlässlich finanzierte Strukturen für freiwilliges Engagement zu sichern, bürokratische Hürden abzubauen und gute Rahmenbedingungen für die Qualifizierung Ehrenamtlicher zu schaffen.
Im Juli 2026 beginnt die Bewerbungsphase für den Lotte‑Lemke‑Engagementpreis 2026/2027. Die Namensgeberin Lotte Lemke prägte über viele Jahrzehnte die AWO: Als langjährige Bundesvorsitzende stand sie für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und die Stärkung des Ehrenamts. Ihr Wirken setzt bis heute ein Zeichen für Verantwortung und Menschlichkeit.