Trauer statt Torjubel. Der Bezirksverband Westliches Westfalen gedachte der verstorbenen Gastarbeiter der Fußball-WM 2022 und kritisierte die Menschenrechtsverletzungen in Katar.

Luftaufnahme einer großen Gruppe von Menschen, die auf einem Fußballfeld einen Kreis bilden.
© AWO Bezirksverband Westliches Westfalen e.V.

Foto: Rund 300 Ehrenamtliche halfen tatkräftig bei der Vorbereitung des Protests und der Trauerfeier in Herne.

 

WELTGEWISSEN, DU BIST EIN FLECK DER SCHANDE

Zusammen mit AWO International und dem Osnabrücker Aktionskünstler Volker Johannes-Trieb kritisierte der Bezirksverband Westliches Westfalen 2022 mit spektakulären Aktionen die Menschenrechtsverletzungen in Katar.

Am 1. April fand eine Protestaktion vor der FIFA-Zentrale in Zürich gegen die Vergabe der WM an Katar statt. Elementarer Bestandteil der Aktion waren mit Sand gefüllte Stoff-Fußbälle, bedruckt mit dem Satz:

„Weltgewissen, Du bist ein Fleck der Schande.“

Das Zitat stammt von Truus Menger-Oversteegen, einer niederländischen Widerstandskämpferin gegen die NS-Okkupation.

„Die Menschen, die auf den Baustellen gestorben sind, stammen aus den ärmsten Ländern der Welt. Sie haben dort geschuftet, um ihre Familien zu ernähren. Wir sind heute in Gedanken bei ihren Angehörigen“, sagte Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International. „Weltweit leben rund 50 Millionen Menschen in Sklaverei – das ist eine ungeheure und beschämende Zahl. Die FIFA hat durch ihre jahrelange Ignoranz versäumt, sich aktiv für die Rechte der Arbeitsmigranten einzusetzen“.

20.000 Grabkerzen zum Gedenken

Am 20. November, dem Tag der WM-Eröffnung, inszenierten die Akteur*innen erneut eine spektakuläre Aktion. 20.000 Grabkerzen leuchteten auf den Rängen im Herner Stadion am Schloss Strünkede. 6.500 sandgefüllte Fußbälle waren zur Erinnerung an die gestorbenen Arbeitsmigranten in Katar auf dem Spielfeld ausgelegt. Drumherum scharten sich hunderte Menschen, um ein Zeichen für die vielen tausend gestorbenen Gastarbeiter zu setzen. Pünktlich zum Anpfiff des ersten Spiels in Doha begann in Herne eine Trauerfeier für die Toten.

Sportreporter Manfred Breuckmann stand an diesem Tag nicht in Doha, um über die WM zu berichten, sondern moderierte die Gedenkveranstaltung der AWO. Neben ihm setzten an diesem Tag viele Menschen ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen in Katar. Michael Scheffler, Vorstand der AWO Westliches Westfalen, fand deutliche Worte über die Geschehnisse rund um die Fußball-WM: „Die FIFA hat den Fußball verraten und verkauft. Menschenleben dürfen nicht für Gewinn geopfert werden. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel und schon gar keine Allianzen mit Diktaturen.“

We say no to Qatar

Der Künstler und Initiator der Aktion Volker-Johannes Trieb machte auf das Leid der Gastarbeiter und ihrer Familien aufmerksam: „Die Spiele, die heute beginnen, sind mit Leid und Tod erkauft. Es ist die blutigste WM, die es je gab.“

Weitere Redner*innen wie die SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau und der Herner Bürgermeister Kai Gera positionierten sich deutlich gegen die FIFA und die Menschenrechtsverletzungen in Katar.

Dann wurde es still. Eine Schweigeminute inmitten des Lichtermeeres ließ die vielen Menschen innehalten. Währenddessen wurde eine Kerze am Anstoßpunkt entzündet. Es folgte ein Requiem des Cellisten Willem Schulz.

Zum Abschluss schlug die Band „Westwärts“ härtere Töne an und sang das, was im Stadion alle dachten: „We say NO to Qatar“.

Einzigartiges Mahnmal

Freiwillige aus ganz Deutschland waren an diesem Tag angereist, um mit anzupacken. Fußballfans verschiedener Vereine halfen Hand in Hand, um dieses einzigartige Mahnmal zu schaffen.

Auch AWO-Präsidentin Kathrin Sonnenholzner und AWO-Präsident Michael Groß nahmen teil. „Ich finde es wichtig, dass wir hier ganz deutlich Stellung gegen die Vergabe der WM beziehen. Dass tausende Tote zu beklagen sind, um die sich niemand kümmert, ist ein Skandal“, positionierte sich Sonnenholzner. Groß ergänzte: „Fußball ist ein Mannschaftsspiel. Im Team kommt es auf jeden an, aber leider ist das bei dieser WM an diesem Veranstaltungsort nicht so, dass man dort auf Menschen achtet oder human mit ihnen umgeht. Und deshalb bin ich hier, um gegen den Veranstaltungsort Katar zu demonstrieren.“

Bei den Aktionen entstanden Bilder, die um die Welt gingen. Nationale und internationale Presse berichtete.