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Bildungsgerechtigkeit in einer Einwanderungsgesellschaft

Von: Süzen/Lajos

 

Wie geht das Bildungssystem mit Vielfalt in einer Einwanderungsgesellschaft um, wie bspw. mit Mehrsprachigkeit, mit kultureller und religiöser Vielfalt?

26% der Bevölkerung in Deutschland (2018) hat eine Migrationsgeschichte. Deutschland ist inzwischen eine plurale Einwanderungsgesellschaft geworden.

Trotz der positiven Entwicklungen der letzten Jahre lässt sich allerdings feststellen, dass im Bereich des Bildungssystems noch Verbesserungsbedarf besteht.   Der Bildungsbericht 2020 der Bundesregierung weist nach wie vor auf   Unterschiede in der Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen aufgrund der sozioökonomischen Herkunft: Die   soziale Herkunft bestimmt die erfolgreiche Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte!   

Das Bildungssystem darf sich jedoch in einer Einwanderungsgesellschaft nicht mehr damit abfinden, dass Schüler*innen aufgrund ihrer soziökonomischen Herkunft in der Schule benachteiligt werden, da Bildung der Schlüssel zur Ausbildung, zum Arbeitsmarkt, zum selbstbestimmten Leben, zur gesellschaftlichen Akzeptanz, Teilhabe und zur Chancengerechtigkeit bedeutet. Das Recht auf Bildung ohne Einschränkungen ausüben zu können ist aus diesem Grund von sehr hoher Bedeutung.

Zwei Fragen sind daher wesentlich: Wie geht das Bildungssystem mit Vielfalt in einer Einwanderungsgesellschaft um, wie bspw. mit Mehrsprachigkeit, mit kultureller und religiöser Vielfalt? Wie schafft die Schule hinsichtlich des demographischen Wandels die zukünftigen Fachkräfte auszubilden? Diese Herausforderungen werden   selbstverständlich nicht ohne besonderen Anstrengungen und Finanzressourcen zu bewältigen sein.

Mit dem Bundesprogramm der Jugendmigrationsdienste unterstützen die Dienste der AWO bundesweit junge Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte beim Übergang Schule-Beruf-Ausbildung durch Beratung und Qualifizierung sowie Angebote der politischen Bildung in der Schule und mit Quartiersarbeit, mit dem Ziel gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit junger Menschen auf Bildung und Qualifizierung zu fördern. Die Jugendmigrationsdienste werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Ein großer Teil der Zielgruppe der JMD ist durch die Erweiterung des Programms um einen weiteren Programmbereich „Respekt Coaches“ an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen angesiedelt. In diesem Programmbereich werden mittels Angebote politischer Bildung Jugendliche aus sozial benachteiligten Elternhäusern mit oder ohne Migrationsgeschichte erreicht. Mit dem Respekt Coaches Programm ermöglichen die Jugendmigrationsdienste der Zielgruppe den Zugang zu politischer Bildung im Rahmen in Zusammenarbeit mit Trägern der politischen Bildung. Die Angebote der JMD zeichnen sich durch intensive Begleitung, Beratung, Unterstützung und Netzwerkarbeit aus.

Aufgrund  der Expertise und gut ausgebauten Infrastruktur können die JMD Chancengerechtigkeit durch Bildung und Chancengleichheit in der Bildung beitragen. Gerade in der Zeit der Pandemie gerieten junge Menschen aus sozialbenachteiligten Elternhäusern aus dem Blick. Viele Prognosen deuten darauf hin, dass die Pandemie junge Menschen mit Migrationsgeschichte besonders hart treffen wird. In den Folgejahren kommen daher große Herausforderungen auf die verschiedenen Institutionen der Bildungsinstitutionen zu.

AWO fordert in diesem Kontext Chancengerechtigkeit durch Bildung und Chancengleichheit in der Bildung. Dazu müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden:

  • Bildungs- und Qualifizierungseinrichtungen müssen ausnahmslos aufgefordert werden, Chancengerechtigkeit als strategisches Ziel ins eigene Leitbild aufzunehmen und daraus ihre Maßnahmen abzuleiten und zu dokumentieren.
  • Die Implementierung einer verpflichtenden Menschenrechtsbildung in frühkindlichen und schulpädagogischen Bildungseinrichtungen, die die Perspektiven Vielfalt und Migration ausnahmslos und ausdrücklich mitberücksichtigt und diskriminierungsfreie Bildung möglich macht.
  • Anerkennung politisch-demokratischer Bildung als grundlegende Voraussetzung für eine aktive Teilhabe der Menschen ungeachtet Ihrer sozialen Herkunft sicherstellt.
  • Die Mittel für die Bundesprogramme der Jugendmigrationsdienste müssen von der Projektförderung in Regelfinanzierung überführt werden, um Bildungsmaßnahmen für Schulübergänge, in der Schule und im Quartier langfristig zu   planen und umzusetzen zu können.   Dazu ist die   Sicherung der Arbeitsqualität ebenfalls notwendig, die durch qualifiziertes Personal möglich sein wird. Eine nachhaltige Personalentwicklung setzt allerdings Planungssicherheit bzw. Regelfinanzierung voraus.

Literatur:

Bildung in Deutschland 2020: Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung in einer digitalisierten Welt. Gefördert mit Mitteln der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Datenreport 2021: Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland: https://www.wzb.eu/de/publikationen/datenreport/datenreport-2021-ein-sozialbericht-fuer-die-bundesrepublik-deutschland

Website zum Programm der Jugendmigrationsdienste: https://www.jugendmigrationsdienste.de/

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Beitrag gehört zur Themenwoche „Vielfalt“. Mehr dazu unter: awo.org/bundestagswahl-2021.

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