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Gesund Altern und Pflegen im Quartier

Im Zuge des demografischen Wandels wachsen die Herausforderungen im Hinblick auf die Pflege und Unterstützung speziell der älteren und hochaltrigen Menschen in unserer Bevölkerung. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie diesen Aufgaben adäquat begegnet werden kann.

Der Anteil der älteren Menschen in Deutschland nimmt stetig zu. Derzeit sind 22 % der Gesamtbevölkerung mindestens 65 Jahre alt. Ein besonders starkes Wachstum verzeichnet die Gruppe der über 85-Jährigen, die sogenannten Hochaltrigen. Im steigenden Alter nehmen chronische Erkrankungen, Multimorbidität und in der Folge auch Pflegebedürftigkeit zu. Demnach wächst parallel die Anzahl jener Menschen, die auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind.

In Deutschland leben derzeit 4,1 Mio. Pflegebedürftige. Aufgrund des verbreiteten Wunsches nach einem Altern in der Häuslichkeit sowie fehlender personeller Ressourcen im pflegerischen Bereich werden 80 % von ihnen ambulant versorgt, 56 % sogar ausschließlich über Angehörige. Die oft  jahrelange pflegerische Versorgung und Doppelbelastung durch Pflege und Beruf gehen häufig mit gesundheitlichen, zeitlichen, emotionalen, sozialen sowie finanziellen Einbußen einher und führen zu einer massiven Belastungssituation der pflegenden Angehörigen.

Insbesondere ländliche Regionen  stehen im Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels vor besonderen Herausforderungen, da sie einen vergleichsweise hohen Anteil an älteren Menschen aufweisen, vor Ort in der Regel jedoch nur wenige gesundheitsförderliche und präventive Angebote und Maßnahmen für ältere Menschen und/oder pflegende Angehörige existieren.

Hier setzte der AWO Bundesverband mit dem von 2018-2020 vom Verband der Ersatzkassen e. V. geförderten Modellprojekt „Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen im Quartier“ an. Im Rahmen des Projektes wurden an fünf ländlichen Modellstandorten gesundheitsfördernde Strukturen für ältere Menschen auf- und ausgebaut. Das erfolgreiche Vorgehen wird in dem neuen Projekt „Gesund Altern und Pflegen im Quartier“ (2021-2023) fortgeführt.

Dieses hat zum Ziel, an acht ländlichen Modellstandorten die Gesundheit von Menschen ab 65 Jahren sowie von pflegenden Angehörigen zu fördern. Dazu werden die zentralen Akteure vor Ort vernetzt und unter Beteiligung der Einwohner*innen bedarfsorientierte Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention auf Verhältnis- und Verhaltensebene konzipiert und umgesetzt. Zur Sicherung der etablierten Strukturen und Angebote sollen Nachhaltigkeitswerkstätten stattfinden, bei welchen mit kommunalen Entscheidungsträger*innen Vereinbarungen zur Verstetigung getroffen werden. Die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt werden abschließend aufbereitet und fließen in den im Vorgängerprojekt erstellten Praxisleitfaden ein, um sie für weitere Kommunen und Träger nutzbar zu machen.

Aus Sicht der AWO müssen ältere Menschen und pflegende Angehörige frühzeitig in den Fokus von Gesundheitsförderung und Prävention treten. Verhaltens- und verhältnisbezogene Ansätze der Gesundheitsförderung und Prävention leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alter und können Pflegebedürftigkeit hinauszögern oder vermeiden. Präventionsstrategien müssen dabei als langfristig angelegte Vorhaben verstanden werden, die an individuellen Verhaltensweisen und gleichzeitig unbedingt auch an gesellschaftlichen Strukturen ansetzen.

Vor Ort geht es da­rum, Quar­tiere ent­spre­chend der individuell ge­ge­benen Bedarfe, Strukturen und Res­sour­cen so wei­terzuentwickeln und auszugestalten, dass die Le­bens­qua­li­tät und die Ge­sund­heit der dort lebenden Menschen gesichert und gesteigert werden. Dies gelingt, in­dem Lö­sung­en ge­mein­sam mit den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern, der Kom­mu­ne und in Ko­o­pe­ra­ti­on mit den lokalen Akteuren erarbeitet wer­den. Ziel muss die Gestaltung gesundheitsfördernder Lebens- und Wohnbedingungen sein, welche langfristig angelegt und finanziell gesichert sein müssen - auch über eine projektbezogene Förderung hinaus!

Quellen:

Statistisches Bundesamt (Destatis). 2021. Bevölkerung – Ältere Menschen. Abgerufen von https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/bevoelkerung-ab-65-j.html

Statistisches Bundesamt (Destatis). 2021. Gesundheit – Pflege. Abgerufen von https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html

Weiteres zur Bundestagswahl

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Artikel wurde im Rahmen der Themenwoche „Gute Pflege für alle“ veröffentlicht. Mehr dazu unter: https://awo.org/bundestagswahl-2021

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