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23.09.2022 | Artikel

Fair Handeln, aber wie?

Von: Lara Röscheisen, Referentin für entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit bei AWO International 

 

Solidarität in Zeiten von Krieg und Krisen. Gastbeitrag von AWO International

Multiple Krisen bestimmen aktuell unseren Alltag. Die Auswirkungen von Pandemie, Krieg und der Klimakrise machen sich aber nicht nur in unserem alltäglichen Leben bemerkbar, sondern verschärfen globale Ungleichheiten. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verstärkt zudem die weltweite Ernährungskrise. Durch den Ausfall von Agrar- und Rohstofflieferungen lässt der Krieg unter anderem die Getreidepreise auf den Weltmärkten ansteigen. Dies liegt daran, dass die Ukraine und Russland zu den größten Exporteuren von Mais, Sonnenblumenöl und Weizen gehören. Hinzu kommen die Anhebung der Preise von Düngemittel sowie die explosive Preissteigerung von Öl und Gas.

Was wir lokal zu spüren bekommen, trifft die Länder des Globalen Südens besonders hart. Besonders die ärmere Bevölkerung sowie lokale Produzent*innen wie Kleinbäuer*innen bekommen die Auswirkungen am meisten mit und sind mit massiven Kostensteigerungen ihrer Produktions- und Lebenshaltungskosten konfrontiert. Die Inflation und der erschwerte Zugang zu Grundnahrungsmitteln bedrohen Existenzen und steigern das Risiko für Armut und Hunger. Parallel dazu machen sich Ertragseinbrüche durch die Klimakrise bemerkbar: Anhaltende Hitzewellen oder Überflutungen gefährden die Ernte und somit die Ernährungssicherung in den Anbauländern.

Der faire Handel macht sich dafür stark, Kleinbäuer*innen zu unterstützen. Trotz Krisenzeiten stieg laut der Initiative Fairtrade Deutschland der Absatz von fair gehandelten Produkten in Deutschland im ersten Halbjahr 2022 um gut 5% an. Im Vergleich zum konventionellen Handel macht der faire Handel jedoch nur einen Bruchteil aus. Um dies zu ändern, findet im September jeden Jahres in Deutschland die Faire Woche statt. Die größte Aktionswoche für den Fairen Handel bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen mit niedrigschwelligen Mitmachangeboten, um mehr über den fairen Handel zu erfahren. Dieses Jahr steht die Faire Woche unter dem Motto "Fair steht dir – #fairhandeln für Menschenrechte weltweit“.

Durch den Erwerb von fair gehandelten Produkten kann ein Beitrag geleistet werden, um die Einkommensgrundlage von Kleinbäuer*innen im Globalen Süden zu sichern. Durch die Zahlung von angemessenen Preisen schafft der faire Handel einen existenzsichernden Lohn, menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen und schließt Kinderarbeit aus. Wer fair einkauft, leistet so einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Welthandel. Besonders in Krisenzeiten gibt dies den Produzent*innen Stabilität und fördert die Ernährungssicherung und ihre Widerstandsfähigkeit. Deshalb ist der Erwerb von fair gehandelten Produkten beim Einkauf eine gute Wahl.

In Deutschland zwingen die Preissteigerung bei Energie und Lebensmitteln immer mehr Menschen in eine existenzielle Not. Nachhaltiges Handeln darf jedoch nicht zum Luxusgut oder Privileg von wenigen werden. Die Verantwortung kann nicht allein auf die einzelnen Konsument*innen geschoben werden. Die Politik muss strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um eine sozial-ökologische Transformation voranzutreiben, beispielsweise durch Steuerreformen. Gerade in globalen Krisen sollte sich die Politik daher deutlich positionieren und solidarisch handeln.

Einen wichtigen Schritt für mehr globale Gerechtigkeit bildet das im Juni 2021 in Deutschland verabschiedete Lieferkettengesetz. Erstmals nimmt in Deutschland ein Gesetz Unternehmen in die Pflicht, Verantwortung für die Menschen entlang der Lieferketten zu übernehmen. Doch damit das Gesetz wirksam gegen Menschenrechtsverletzungen und für Umweltschutz greifen kann, muss es nachgebessert und verschärft werden. AWO International ist seit 2019 eine der über 130 unterstützenden Organisationen und setzt sich im zivilgesellschaftlichen Bündnis ebenfalls für ein starkes und wirksames Lieferkettengesetz in Europa ein. Das Ziel dabei ist eine umfassende Pflicht für europäische Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in Lieferketten vorzubeugen. Dies leistet einen entscheidenden Beitrag, um Arbeits- und Produktionsbedingungen weltweit und damit das Leben der Menschen im Globalen Süden zu verbessern. Denn ein gutes Leben für alle kann nur ermöglicht werden, wenn weltweit Menschenrechte, Klima und Umwelt geschützt werden.

Bis November 2022 kann noch die Petition für ein wirksames EU-Lieferkettengesetz  unterzeichnet werden. Damit Ausbeutung von Menschen und Umweltzerstörung nicht länger an der Tagesordnung sind.

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