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Engagement von Menschen mit Behinderungen muss gestärkt werden

Jede Barriere ist eine Barriere zu viel.

Unsere Demokratie lebt durch eine vielfältige, inklusive Gesellschaft, an der Jede*r teilhaben und sich aktiv gestaltend einbringen kann. Über 3 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit chronischen Erkrankungen engagieren sich in Deutschland in Vereinen, Verbänden, sozialen Diensten oder Selbsthilfegruppen. Auch innerhalb der AWO. Sich zu engagieren heißt, Gesellschaft aktiv mitzugestalten und unsere Demokratie tatkräftig zu stärken. Dieser wertvolle Beitrag, den Menschen mit Behinderungen zum Gemeinwohl und zur Vielfalt leisten, wird aus Sicht der AWO viel zu wenig gesehen und gewürdigt.

Deshalb erwarten wir von der zukünftigen Bundesregierung die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Behinderungen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet die Bundesrepublik Deutschland in Artikel 29 dazu, Barrierefreiheit im politischen und öffentlichen Leben sicher zu stellen. Menschen mit Behinderungen soll es ermöglicht werden, sich gleichberechtigt und umfassend an der Gestaltung öffentlicher Angelegenheiten zu beteiligen.

Mit Blick auf den dritten Teilhabebericht der Bundesregierung (S. 716 ff) müssen wir jedoch leider feststellen, dass sich Menschen mit Behinderungen und Menschen mit chronischen Erkrankungen weniger engagieren als Menschen ohne Beeinträchtigungen. Auch Kinder mit Behinderungen, Frauen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationsgeschichte und Behinderung sind weniger repräsentiert.

Die Gründe hierfür sind verschieden. Engagementmöglichkeiten werden wenig inklusiv geplant und beworben, oder sie sind aufgrund von baulichen Barrieren nicht nutzbar. Gleichzeitig wird das Engagement einiger Menschen mit Behinderungen durch eine gesetzliche Regelung im neu geschaffenen Bundesteilhabegesetz stark eingeschränkt. Menschen mit Behinderungen, die auf Teilhabeleistungen angewiesen sind, müssen sich ihre Assistenz vorrangig unentgeltlich aus dem privaten Familien- oder Freundeskreis organisieren. Menschen mit Behinderungen, die sich engagieren wollen, werden so zu abhängigen Bittsteller*innen degradiert. Das ist eine absurde Situation. Anstatt individuelles und selbstbestimmtes Engagement zu fördern, werden zusätzliche Barrieren und unnötige Abhängigkeiten geschaffen.

Auch Verbände und Parteien müssen sich selbstverständlich für die Zielgruppe der Menschen mit Behinderungen öffnen und inklusive Engagement-Angebote schaffen. Eins ist klar: Egal, ob bauliche Zugangshindernisse, fehlende Assistenz oder die Angst vor Stigmatisierung: Jede Barriere ist eine Barriere zu viel.

Zum Wohle unserer Demokratie besteht hier also konkreter gesetzgeberischer Handlungsbedarf. Deswegen erwartet die AWO von der zukünftigen Bundesregierung, dass sie das bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit Behinderungen, die auf Assistenz angewiesen sind, als soziale Teilhabe anerkennt und dafür die Inanspruchnahme professioneller Assistenz ermöglicht!

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Aktuell startet die Themenwoche „Inklusion für alle“. Mehr dazu unter: awo.org/bundestagswahl-2021

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