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Afghanistan ist nicht sicher

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Von: Jacqueline Schöneck und Thomas Heser

Was es bedeutet, in ein nicht sicheres Land abgeschoben zu werden?

Der Bundesinnenminister fährt in Schutzweste durch Afghanistan; die Deutsche Botschaft in Kabul wurde Ziel eines Bombenanschlags. Und dennoch gilt Afghanistan absurder Weise als sicheres Land; werden regelmäßig Geflüchtete wieder nach Afghanistan ausgeflogen. Viele von ihnen halten sich schon seit einiger Zeit in Deutschland auf. Oftmals aufgrund der langjährigen Asylverfahren.

In dieser Zeit konnten sie jedoch eine Beziehung zu diesem Land und anderen Menschen aufbauen; und je länger der Aufenthalt hier, umso schwerer fällt die soziale und gesellschaftliche Anbindung nach der Rückkehr ins Herkunftsland. Gegenwärtig umso mehr, da sich das soziale Gefüge in Afghanistan im rasanten Tempo verändert. Dort müssen die Menschen bei null beginnen. Der Zugang zu Arbeit, Gesundheit und Wohnraum ist nicht gewährleistet, da sich die sozioökonomischen Auswirkungen der über Jahrzehnte andauernden Kampfhandlungen auf alle Lebensbereiche negativ erstrecken. Selbst das vertrauensbasierte traditionelle Solidarsystem - eine Art soziale Sicherung innerhalb der Familie, des Dorfes oder auch eines Clans - ist stark zerrüttet und kann die Rückkehrer*innen nicht auffangen. Kurzum: Mit der Ankunft in Afghanistan beginnt eine Zeit der Unsicherheit und Mittellosigkeit, aber auch von Krieg und Gewalt. Es gibt aber faktisch keine sicheren Gebiete in dem Land. Selbst Kabul, der Ort, der von der Bundesregierung für sicher erklärt wurde, ist regelmäßig Ziel von Anschlägen, die viele Menschenleben fordern.

Weder staatliche noch internationale Akteure sind in der Lage Rückkehrer*innen vor der Gewalt der Taliban, den Milizen, den kriminellen Banden oder alter und neuer Kriegsparteien, zu schützen.

Mit der Ankunft in Afghanistan beginnt eine Zeit der Unsicherheit und Mittellosigkeit, aber auch von Krieg und Gewalt.

Rückkehrer*innen sind mit den Gefahren von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung konfrontiert; ihnen droht die Stigmatisierung und Verfolgung durch fundamentalistische oder extremistische Gruppierungen, die den vergangenen Aufenthalt der Rückkehr*innen in westlichen Ländern nicht tolerieren. Aus Deutschland abgeschobene Menschen werden für wohlhabend gehalten. Dies erhöht wiederum das Entführungsrisiko beträchtlich. Dabei kann man von Wohlstand bei den Rückkehrer*innen kaum sprechen, haben sie doch bei ihrer Flucht aus Afghanistan jegliche Erwerbsoptionen aufgeben und jeglichen Besitz verkaufen müssen, um sich die Flucht überhaupt leisten zu können.

Die abgeschobenen Menschen haben keine Perspektive auf ein Überleben in Afghanistan. Daher fordern wir, die Abschiebungen nach Afghanistan sofort zu stoppen und die Menschen effektiv zu schützen!

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