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31.05.2017 | Veröffentlichung

4. Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2017

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Von: Kerstin Guderley

Der 4. Alternative Drogen- und Suchtbericht 2017, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, sieht eine positive Entwicklung in Bezug auf den im letzten Jahr leicht zurückgegangenen Alkoholkonsum bei Jugendlichen und Erwachsenen. Ebenso positiv wird das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin bewertet, das Schmerzpatient*innen den Zugang zu Cannabis als Medikament mit therapeutischer Wirkung erleichtert.

Im Umgang mit Tabakprodukten schneidet Deutschland jedoch nicht gut ab. Der Tabakatlas zeigt Deutschland im Ranking der europäischen Tabakkontrollpolitik auf dem vorletzten Platz. Einer der Gründe ist laut Alternativen Drogen- und Suchtberichts das nach wie vor fehlende Tabakwerbeverbot und die einfache Verfügbarkeit von Tabakprodukten, zum Beispiel an Zigarettenautomaten.

Sorgen bereitet zudem die 2016 zum vierten Mal in Folge gestiegene Zahl der Drogentoten. Auch die Rauschgiftdelikte, die polizeilich ermittelt wurden, sind weiterhin angestiegen. Die meisten Delikte finden für den Eigenbedarf statt. Besonders junge Leute werden durch polizeiliche Ermittlungen schnell als Junkies oder Fixer stigmatisiert, wohingegen Dealer selten gefasst werden. Der Alternative Drogen- und Suchtbericht empfiehlt daher, die gegenwärtige Prohibitionsstrategie des Betäubungsmittelgesetzes aufzugeben und durch eine kontrollierte, legalisierte Drogenabgabe zu ersetzen.

Auch der Umgang mit synthetischen Drogen ist nach wie vor problematisch. Eine wirkungsvolle Strategie wäre laut Alternativen Drogen- und Suchtberichts das Drug-Checking: Tabletten können so auf ihre Inhaltsstoffe, Zusammensetzung und Reinheit getestet werden. Als weitere dringende Maßnahme wird die Einrichtung von weiteren Drogenkonsumräumen, in denen Drogen unter hygienischen Bedingungen konsumiert werden können, empfohlen. Außerdem soll jeder Haushalt, in dem ein Drogenabhängiger lebt, über eine Notfallmedizin, ein sogenanntes Antidot verfügen, das z.B. das Gift von Heroin inaktiviert oder die Wirkung herabsetzt.

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